Karlshütte aus Bünde rettet insolvente Aluminium-Giesserei in Osnabrück

Außergewöhnliche Entwicklung: Die Umstrukturierung vor drei Jahren befähigt das Bünder Unternehmen zu diesem Schritt, das damit zugleich sein Portfolio ausbauen kann

Bünde/Osnabrück. In den vergangenen drei Jahren hat die Karlshütte in Bünde eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt. Kämpfte sie vom Frühjahr 2012 an selbst mit der Insolvenz, kam im November des selben Jahres aus der Eisengiesserei in Ahle die Nachricht: "Wir sind raus aus der Krise." Nun war das Bünder Unternehmen sogar in der Lage, eine andere Firma der Branche vor dem Untergang zu bewahren und 48 der 55 Arbeitsplätze zu retten - die Metallgiesserei Schmidt in Osnabrück.

Im April hatte der Betrieb, der auf die Verarbeitung von Aluminium spezialisiert ist, die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Insolvenzverwalter der Giesserei Schmidt, Sebastian Nolte von der Kanzlei Jaffé aus Münster, und die Geschäftsführer der Karlshütte, Volker Ahring und Karl-Heinrich Thiele, unterzeichneten gestern einen Vertrag, wonach die Karlshütte den Osnabrücker Betrieb mit Wirkung vom 1. Oktober übernimmt.

"Nach einer intensiven Investorensuche kristallisierte sich die Karlshütte als die beste Lösung für eine übertragende Sanierung und Fortführung des Geschäftsbetriebs heraus", erklärt Insolvenzverwalter Sebastian Nolte. Volker Ahring und Karl-Heinrich Thiele würden langjährige Erfahrungen aus der Giessereibranche sowie bei der Restrukturierung von Unternehmen mitbringen, so Nolte. Ohne die Karlshütte als Investor hätte man den Betrieb in Osnabrück über kurz oder lang einstellen müssen.

Leicht habe man sich die Entscheidung indes nicht gemacht. "Aber nicht zuletzt die Verbundenheit der Mitarbeiter mit dem Betrieb und die Kundentreue waren für uns ein wichtiges Argument, diesen Osnabrücker Traditionsbetrieb wieder auf eine solide Basis zu stellen", so Karl-Heinrich Thiele gestern Nachmittag nach der Vertragsunterzeichnung im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.

Dass der Karlshütte in Ahle drei Jahre nach der eigenen Krise eine solche Investition möglich ist, erklärt Karl-Heinrich Thiele so: "Wir haben seit dem jedes Jahr ein positives Betriebsergebnis gehabt. Das haben wir geschafft, weil wir uns nur noch auf Klein- und Mittelserien konzentriert haben. Bei Großserien waren wir nicht wettbewerbsfähig. So haben wir es geschafft, in den letzten drei Jahren rund 1,2 Millionen Euro aus eigenen Mitteln zu investieren."

Die Produktion von Alu-Gussteilen, wie sie die Giesserei Schmidt betreibt, passe aber auch gut als Erweiterung in das Portfolio der Karlshütte. "Die Giesserei in Osnabrück wird ausschließlich von Bünde aus verwaltet, sodass dort nur ein reines Werk ist", erklärt Thiele. Von den sieben kaufmännischen Mitarbeitern der Schmidt GmbH habe man sich deshalb trennen müssen, um den Betrieb zu sanieren. Dafür konnten aber 48 Arbeitsplätze erhalten werden.

 

 

© 2015 Neue Westfälische
Von Gerard Dunkel
11 - Bünde, Freitag 02. Oktober 2015

 

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